Der Ablauf meiner Pharmareferentenprüfung im November 2019

Wie war meine schriftliche und mündliche Pharmareferentenprüfung?  

Meine schriftliche Prüfung...

fand am 06.11.2019 in den Räumlichkeiten der Pharmig statt, welche sich im ersten Bezirk in Wien befindet. Ich war in der ersten Gruppe am Vormittag eingeteilt und war mit circa 10-15 weiteren Prüflingen im Raum. Nachdem ich etwas verfrüht angetroffen bin damals, wartete ich im Stiegenhaus vor der geschlossenen Tür mir paar weiteren Prüflingen und ging nochmal meine wichtigsten Karteikarten durch.

Sobald unsere Anwesenheit und Ausweise kontrolliert wurden, ging es los. Zuerst startete ich mit dem Multiple Choice Teil am Computer. Die MC Fragen sind am Computer nicht ident gereiht zu denen deines Nachbars. Wichtig ist auch zu wissen, dass es keinen Abzug bei falsch beantworteten Fragen gibt. Daher entscheide dich lieber für eine Antwort anstatt keine auszuwählen. Man hat die Möglichkeit nicht beantwortete MC Fragen zum Schluss nochmal zu beantworten, jedoch habe ich dies bewusst nicht genützt. Ich klickte die 60 Fragen am Computer bewusst einmal durch, ohne ein zweites Mal durchzugehen. Erstes weil mir die Zeit sonst zu knapp gewesen wäre, weil die großen Ausarbeitungen auch viel Zeit in Anspruch nehmen und zweitens, weil die Antwortmöglichkeiten oft komplex, mit eingebauten Fallen, sind und ich durch zu langes Nachdenken eher meine Auswahl auf eine falsche Antwort umändern würde. Ich vertraue hier in solchen Fällen, wie so oft bei Prüfungen, meiner ersten Entscheidung.

Der MC Teil war für mich persönlich der schwierigere Part der Prüfung, obwohl ich auch von vielen Kandidaten gehört habe, dass für sie die großen Ausarbeitungsfragen die Hürde dargestellt. Ich persönlich hatte bei dem Multiple Choice Teil dennoch 51 von 60 Fragen richtig.

Sobald ich also einmal die 60 Fragen am Computer durchgeklickt und alle 60 Stück beantwortet hatte, wendete ich mich vom Computer ab und drehte den Zettel mit den schriftlichen Prüfungsfragen um, der mir am Anfang bereits zugeteilt wurde. Ich drehte ihn bewusst nicht direkt am Anfang um, weil ich mich sonst nicht auf den ersten Prüfungsteil konzentrieren könnte und in meinem Kopf schon über die großen Ausarbeitungsfragen Gedanken machen würde. Es gibt bei den schriftlichen Prüfungsfragen zwei Gruppen A und B, sprich dein Nachbar hat andere medizinische/pharmazeutische Prüfungsthemen wie du.

Als Teil der Gruppe A befasste sich meine schriftliche pharmazeutische Frage mit der Allergie und deren Therapie. Sprich es war ein Thema aus dem Skript Immunologie, gekoppelt mit einem Thema aus dem‚ Skript Wirkstoffe.

Dabei beschrieb ich alle fünf Allergie Typen, den dazugehörigen Allergie Erkrankungen und der jeweiligen Therapie. Dazu zeichnete ich zu allen eine Skizze, inwiefern die Allergie Reaktion mit dem spezifischen Antikörper abläuft. Die ganze Beantwortung gliederte ich in eine Einleitung, den Hauptteil mit der konkreten Beantwortung und einen kurzen Schluss. Die pharmazeutische Frage beantwortete ich auf ca. vier handgeschrieben Seiten.

Meine schriftliche medizinische Frage bezog sich auf die Anatomie des oberen Gastrointestinaltraktes, sprich von der Mundhöhle bis über den Rachen weiter zum Ösophagus. Eine Unterfrage war die Anatomie und Funktion des Magens sowie die Frage, wodurch Erbrechen ausgelöst wird.

Beim Magen beschrieb ich die einzelnen Magenabschnitte, das Epithel sowie den Wandbau, der sich im gesamten Verdauungstrakt ziemlich ähnlich aufbaut. Danach konnte ich über die Magenfunktion schreiben, indem ich die einzelnen Verdauungsschritte mit den drei Phasen erklärte (Cephalisch, Gastrisch und Intestinale Phase). Wichtig bei der Frage sind vor allem die Erwähnung der Beleg- der Neben- und Hauptzellen und deren Aufgaben. Dies ist auch gleichzeitig häufig eine MC Frage. Bei dieser Frage skizzierte ich vor allem den Magen inklusive Abschnitte und auch den Übergang zum Darm.

Danach folgte die Definition, die inneren und externen Ursachen von Erbrechen, sowie deren Arten, gefolgt von dem genauen Ablauf. Wichtig ist dabei auch die Erwähnung des Brechzentrum im Hirnstamm in der Mendulla Oblangata und wie dieses durch die Neurotransmitter aktiviert wird.

Nach der glücklichen Email, mit der Zusage, dass ich die Prüfung erfolgreich bestanden habe, habe ich die Einladung zur Mündlichen bekommen.

Meine Mündliche Prüfung...

Zwei Wochen später war ich nun für die mündliche Prüfung dran, am 20.11.2019 im Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz ( BMASGK) im dritten Bezirk. Es ist wichtig, den Ausweis mitzunehmen und normal mit längeren Wartezeiten zu rechnen. Da ich jedoch wie erwähnt die Einzige war, die die schriftliche Prüfung bei dem Antritt im November geschafft hat, bemerkte ich schnell, als im Wartetraum nur Zuschauer und keine weiteren Prüfungskandidaten standen. Eine Einzige ist mit mir zur Mündlichen angetreten, die jedoch nur die Anerkenntnisprüfung in Österreich machte, weil sie die Prüfung bereits in Deutschland abgelegt hat.

Nachdem die Prüfungskandidatin ihren rechtlichen Teil und somit ihre Anerkenntnisprüfung erfolgreich abgeschlossen hatte, war ich dran. Wie so oft befasst sich die medizinische mündliche Frage meist mit der Anatomie/Physiologie und einer Erkrankung. Die pharmazeutische Frage thematisiert oft die Pharmakologie und das Recht. Dieser Fall ist auch bei mir eingetreten. 

Meine mündliche medizinische Frage war zum Thema Herz-Kreislauf. Die Frage bezog sich auf die Anatomie des Herzens, zusammen mit dem Blutkreislauf und als Erkrankung die Koronare Herzerkrankung. Zuerst konnte ich viel selbst darüber erzählen und dann folgten einige konkrete Zwischenfragen. Diese bezogen sich bei mir auf die Gewebeart der Herzklappen, die Lage der Aorta und die medikamentöse und präventive Therapiemöglichkeiten des Myokardinfarkts. Eine weitere Zwischenfrage befasste sich mit dem Unterschied zwischen Angina Pectoris und Myokardinfarkt.

Meine mündliche pharmazeutischen Frage war eine Rechtliche und Folgende: „Was wissen Sie über die Arzneimittelzulassung und wie werden Arzneimittel zugelassen?“. Dabei ging ich auf die zwei unterschiedlichen Zulassungsverfahren ein, wie das nationale und europäische. Dann definierte ich noch genauer das dezentrale und zentrale europäische Verfahren und deren Unterschiede. Eine prüfende Zwischenfrage war hier auch unter anderem „Wo befindet sich der Hauptsitz der EMA (Europäischen Arzneimittelagentur)?“ Achtung, in den alten Skripten (2003), die vor der neuen Auflage 2021, steht noch „London“ als Hauptsitz der EMA, jedoch ist diese mittlerweile in Amsterdam.

Eine weitere Frage, die mir von der Kommission gestellt wurde lautete „Wie schaut ein Rezept aus und was muss alles beinhaltet sein?“ Nach der allgemeinen Definition ist wichtig hier zum Beispiel zu erwähnen, dass ein Rezept generell formfrei ist und auf jeder dauerhaft beschreibbaren Unterlage gültig ist, solange alle Angaben vorhanden sind.

Die Zwischenfrage war hier: „Wofür steht NR auf dem Rezept?“ und ein weiterer Prüfer in der Kommission warf auch noch ein „Wie hoch ist die Rezeptgebühr gerade?“ Gott sei Dank konnte ich alle Fragen vollständig beantworten. Mit einem positiven Gefühl durfte ich den Prüfungssaal kurz verlassen, damit sich die Kommission absprechen konnte. Nach kurzer Zeit wurde ich wieder in den Saal gerufen, um mir zu meinem Erfolg zu gratulieren und das Zeugnis zu überreichen.

Meiner Meinung nach ist die Kommission sehr kulant, wenn sie merken, dass du fleißig gelernt hast. Natürlich musst du die Fragen beantworten können, jedoch helfen Sie dir wenn du den roten Faden verloren hast, indem sie spezifischer nachfragen. Ich persönlich finde die mündliche Prüfung machbar und auf jeden Fall leichter als die schriftliche Prüfung.  

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